Wenn Sonne & Mond sich Küssen

Von alten Häuten, wilden Herzen und dem Ruf nach einem neuen Leben....
Hallo du magisches Wesen,
morgen können wir einen ganz besonderen Tanz am Himmel beoabachten.
Ein Tanz zwischen Mond und Sonne, der nicht nur das Licht wandeln wird.
Mitten am Tag wird für einen kurzen Moment etwas von jener geheimnisvollen Dämmerung entstehen, die wir sonst nur kennen, wenn die Schleier der Nacht sich über die Welt legen.
Seit Menschengedenken haben wir zum Himmel hinaufgeschaut, wenn sich Sonne und Mond auf diese Weise begegnen.
Wir haben gestaunt, wir haben uns gefürchtet, wir haben Geschichten erzählt...
Denn schon unsere Ahninnen und Ahnen wussten: Wenn der Himmel sein gewohntes Gesicht verliert, lohnt es sich, auch nach innen zu schauen.
Denn die große Magie dieser Momente liegt nicht im Außen, sondern sie findet in uns statt.
Diese Momente erinnern uns daran, dass unser eigenes Leben gar nicht so unveränderlich ist, wie es manchmal scheint.
Sie erinnern uns, dass sich Dinge verschieben können, dass eine Tür erscheinen kann, wo gestern noch eine Wand war. Dass ein Weg, den wir längst für beendet hielten, plötzlich wieder vor uns liegt.
Und dass manchmal nicht die Welt um uns herum eine andere werden muss.
Manchmal müssen nur unsere Augen lernen, anders zu sehen.

Die Zeit zwischen den Zeiten...
Eine Finsternis ist ein Zwischenraum.
Das Alte ist noch nicht ganz verschwunden, das Neue hat noch keine feste Gestalt.
Es ist dieses eigenartige "Dazwischen", das wir so schlecht aushalten können.
Wir wollen wissen, wir wollen planen, wir wollen eine Richtung.
Doch die Seele kennt andere Rhythmen.
Sie kennt den Winter, den Rückzug, das Warten und das Dunkel unter der Erde, in dem bereits etwas keimt, das noch niemand sehen kann.
Vielleicht ist genau das die Zeit, in der wir uns gerade befinden.
Etwas in uns weiß bereits:
So wie bisher geht es nicht weiter.
Aber was danach kommt, können wir vielleicht noch nicht benennen.
Und das ist kein Zeichen dafür, dass wir verloren sind, es bedeutet vielleicht nur, dass die neue Geschichte gerade noch geschrieben wird.

Wenn der Löwe brüllt...
Diese Sonnenfinsternis fällt in die Zeit des Löwen und der Löwe hat eine wichtige Botschaft für uns:
Erinnere dich an dein Herz, an das, was dich lebendig macht.
Erinnere dich an das, was in dir brennt, auch wenn du es jahrelang unter Vernunft, Erwartungen und all den „Man müsste eigentlich …“ begraben hast.
Der Löwe fragt nicht, was ist sicher?
Er brüllt:
Was lässt dein Herz lebendig werden?
Was möchtest du erschaffen?
Was möchtest du endlich aussprechen?
Wo möchtest du dich zeigen?
Welche Sehnsucht klopft schon so lange an deine Tür?
Vielleicht ist da ein Traum, den du irgendwann vernünftig genannt hast, weil du Angst hattest, ihn wirklich zu wollen.
Vielleicht gibt es einen Teil von dir, den du stillgelegt hast, weil er anderen zu wild, zu laut, zu empfindlich, zu frei oder einfach zu viel erschien.
Vielleicht hast du dich irgendwann daran gewöhnt, ein Leben zu führen, das funktioniert.
Aber tief in dir weißt du:
Funktionieren ist nicht dasselbe wie lebendig sein. Und vielleicht beginnt genau hier etwas Neues.
Die Dinge, die plötzlich wieder Sinn ergeben...
Manchmal kommt Veränderung nicht mit einem großen Knall.
Manchmal kommt sie ganz leise.
Eine Begegnung.
Ein Satz.
Ein Traum in der Nacht.
Ein Gedanke, der plötzlich nicht mehr verschwinden will.
Eine Erinnerung, die aus irgendeinem Grund wieder auftaucht.
Und dann geschieht etwas Seltsames:
Dinge, die scheinbar nichts miteinander zu tun hatten, beginnen sich miteinander zu verbinden.
Wie kleine Sterne, die plötzlich ein Sternbild ergeben.
Du schaust zurück und erkennst Zusammenhänge, die du damals noch nicht sehen konntest.
Du beginnst zu verstehen, warum manche Türen sich geschlossen haben, warum manche Menschen nur ein Stück des Weges mit dir gegangen sind. Warum bestimmte Erfahrungen dich so tief berührt haben.
Und vielleicht erkennst du:
Nichts davon war umsonst, vielleicht war dein Weg nicht immer gerade, aber vielleicht war er immer dabei, dich zurück zu dir zu führen.

Und plötzlich hörst du das Lied der alten Knochensammlerin...
Die alte La Loba, die dort draußen in der Einsamkeit sammelt, was andere längst vergessen haben.
Sie sammelt Knochen, Überreste und Fragmente von Wölfen.
Die Reste einer Geschichte, die scheinbar vorbei ist.
La Loba fragt nicht: Was ist kaputt?
Sie fragt: Was ist noch da?
Und sie sucht, sie gräbt, sie wartet, sie sammelt.
Knochen für Knochen, bis vor ihr wieder etwas Gestalt annimmt.
Und dann beginnt sie zu singen. Nicht irgendein Lied, Ihr Lied!
Das Lied, das nur sie kennt.
Und unter ihrer Stimme beginnt das, was tot schien, wieder zu atmen.
Der Wolf erhebt sich und das Wilde kehrt zurück.
Und schließlich läuft eine Frau davon, frei, lebendig und ungezähmt.
Vielleicht ist genau das deine Aufgabe in dieser Zeit
Nicht, dich neu zu erfinden, nicht eine vollkommen andere Frau zu werden.
Nicht noch schöner, noch erfolgreicher, noch spiritueller oder noch stärker.
Sondern dich zu erinnern.
An die wilde und ungezähmte Frau, die bereits in dir lebt.
Vielleicht liegt irgendwo in deinem Inneren noch ein Knochen, ein vergessenes Stück deiner Geschichte, eine Sehnsucht, ein Traum, eine Fähigkeit, eine Stimme, ein Teil deiner Weiblichkeit.
Eine Grenze, die du einmal ganz selbstverständlich gespürt hast, ein Wissen, das du irgendwann überhört hast.
Ein Feuer, das nie vollständig erloschen ist.
Vielleicht hast du es nur mit so vielen Schichten bedeckt, dass du vergessen hast, dass es darunter noch glüht.
Aber Feuer verschwindet nicht immer, nur weil man seine Flammen nicht mehr sieht.
Manchmal ist es Glut.
Und manchmal reicht ein einziger Atemzug um es wieder zu entfachen.
Was, wenn jetzt deine alte Haut zu eng wird?
Vielleicht spürst du gerade an irgendeiner Stelle deines Lebens, dass etwas nicht mehr passt.
Eine Rolle, die Beziehung zu dir selbst, eine Vorstellung davon, wer du sein solltest.
Ein „So bin ich eben“.
Ein „Das kann ich nicht“.
Ein „Dafür bin ich zu alt“.
Ein „Was sollen die anderen denken?“
Vielleicht ist es Zeit, diese alte Haut nicht länger festzuhalten.
Nicht, weil sie schlecht war, sondern weil du aus ihr herausgewachsen bist.
Wie die Schlange, die ihre Haut zurücklässt.
Wie der Baum, der im Herbst loslässt, was nicht mehr mit in den Winter gehört.
Wie die Erde, die im Dunkel des Winters bereits den nächsten Frühling trägt.
Auch du darfst dich wandeln.
Und du musst noch nicht wissen, wer du danach sein wirst. Vielleicht öffnet sich gerade eine Tür.
Die kommenden Wochen können sich wie eine Schwelle anfühlen.
Als würde das Leben leise an etwas rütteln, das lange festgefügt schien.
Vielleicht wirst du Erinnert durch eine Begegnung, eine Entscheidung, eine Erkenntnis, eine Möglichkeit, mit der du nicht gerechnet hast.
Vielleicht erscheint plötzlich etwas, das vorher außerhalb deines Blickfeldes lag.
Und vielleicht wirst du irgendwann zurückschauen und sagen:
Da begann etwas.
Nicht unbedingt sichtbar für die Welt, aber spürbar für dich.
Ein leiser innerer Wandel, ein Zurückkehren, ein tiefes Erinnern.
Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Sonnenfinsternis:
Du musst nicht immer wissen, wohin du gehst. Manchmal reicht es, wieder zu spüren, was dich ruft.
Du musst auch nicht alles verstehen, manches darf sich erst später offenbaren.
Du musst nicht sofort den ganzen Weg sehen, ein einziger Schritt im Dunkeln genügt.
Und vielleicht musst du auch nicht nach etwas Neuem suchen.
Vielleicht wartet das Wertvollste bereits in dir.
Unter den Schichten, den Geschichten und all dem, was du gelernt hast zu sein.
Dort, wo deine eigene Stimme noch immer singt.
Dort, wo dein Herz noch weiß.
Dort,vwo die wilde Frau in dir niemals ganz verschwunden ist.
Vielleicht sitzt La Loba dort schon längst am Feuer.
Sie wartet nicht auf eine bessere Version von dir.
Sie wartet nur darauf, dass du dich erinnerst.
Sie reicht dir einen Knochen.
Du nimmst ihn in deine Hand.
Und plötzlich weißt du:
Das hier gehört zu mir.
Dann noch einen und noch einen.
Bis du irgendwann erkennst, dass du die ganze Zeit dabei warst, dich selbst wieder zusammenzusetzen.
Und vielleicht brauchst du dann nur noch eines:
Deine Stimme, dein eigenes Lied und den Mut, es zu singen.
Bis das Leben in dir wieder aufsteht.
Von Herzen
Anna
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